Hörspiele mit dem 6. Doctor und Jamie

Der 6. Doctor ist, zumindest wenn man die Fernsehfolgen betrachtet, gemeinhin der unbeliebteste Doctor überhaupt. Bei den Hörspielen ist das aber genau andersrum, da ist der 6. Doctor (neben dem 8. Doctor) der wahrscheinlich beliebteste Doctor. Er ist eine der (vor)lauteren Inkarnationen des Doctors und ist, nett ausgedrückt, sehr von sich überzeugt. Man merkt aber trotzdem schnell, dass sich seine beiden Herzen an den jeweiligen rechten Flecken befinden.

Jamie ist ursprünglich ein Companion des 2. Doctors. Als dieser wegen seiner ständigen Einmischung in die Belange anderer Spezies von den Time Lords auf die Erde verbannt wurde, wurden die Erinnerungen seiner damaligen Companions gelöscht, so auch von Jamie. Er wurde zurückgeschickt in die Schlacht von Culloden, wo er den Doctor zum ersten Mal getroffen hatte.

Obwohl Jamie einer der sympathischsten Companions des Doctors ist, ist diese Mini-Staffel ein gewaltiger Schuss in den Ofen. Alle drei Hörspiele haben praktisch eine durchgängige Handlung, man muss sich also wohl oder übel alle Hörspiele zu Gemüte führen, um überhaupt zu verstehen, was da passiert. Mein Rat: Besser das Geld sparen und sich stattdessen eine Classic-Folge mit Jamie kaufen.

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City of Spires (Simon Bovey)

Der Doctor landet in Schottland mitten in einer Schlacht zwischen Jakobiten und Engländern – eine Schlacht, die laut Geschichtsbuch einige Jahrzehnte zu spät dran ist. Dort trifft der Doctor Jamie wieder, mit dem er herausfinden will, wer in der schottischen Geschichte rumpfuscht.

Die Story um die Aliens, die zukünftige Technologien nach Schottland bringen, zündet leider nicht so recht. Sie wirkt zusammengestückelt und führt zu viele Nebenfiguren ein, von denen nur eine Minderheit vernünftig in die Handlung integriert wird. Der Hauptzweck von City of Spires ist offensichtlich, den Boden für die folgenden Hörspiele mit Jamie zu bereiten – mit dem Effekt, dass man ein Drittel der insgesamt zur Verfügung stehenden Zeit mit dem Vorgeplänkel zugebracht wird.

The Wreck of the Titan (Barnaby Edwards)

Der Doctor und Jamie landen auf der Titanic, die Teil einer virtuellen Realität ist.

Ach, diese Mini-Reihe kommt einfach nicht vom Fleck. Es stellt sich zwischen Jamie und dem 6. Doctor leider nichts ein, was man irgendwie als Chemie bezeichnen könnte, weshalb die beiden nicht das Hörspiel retten können. Das fängt durchaus interessant an und wird leicht absurd1, macht aber leider überhaupt nichts aus den vorhandenen Ansätzen – nur um dann auch noch zu allem Übel in einem Cliffhanger zu enden. Da hätte man sich besser auf die Handlung dieses Hörspiels konzentrieren sollen, anstatt unnötig oft im Handlungsbogen der drei Jamie-Hörspiele rumzustochern. Trotz bester theoretischer Voraussetzungen ist The Wreck of the Titan nicht mehr als ein Lückenfüller.

Legend of the Cybermen (Mike Maddox)

Jamie und der Doctor sind offensichtlich im Land of Fiction gelandet, wo sie nun diverse fiktionale Figuren in ihrem Kampf gegen die (realen) Cybermen unterstützen müssen.

Ein bisschen frag ich mich ja, was bei Big Finish im Tee gelandet ist, um so ein Hörspiel zu schreiben, in dem alles zusammengeworfen wird, was dem Schreiberling gerade durch den Kopf ging. Würde Legend of the Cybermen für sich alleine stehen, könnte das womöglich durchaus Spaß machen. Dieses Hörspiel muss aber den Schlusspunkt einer eher ziellos vor sich hindümpelnden Trilogie bilden. So schleppt Legend of the Cybermen den ganzen Ballast aus den beiden Vorgängerfolgen mit sich rum und gerät dadurch, wie die beiden vorhergehenden Folgen, zur Enttäuschung.

Neben den richtigen Hörspielen gehört das Companion Chronicle Night's Black Agents, das zwischen den ersten beiden Hörspielen spielt, zum Jamie-Handlungsbogen. Mein Drang, auch noch dieses Hörbuch zu kaufen, hält sich allerdings in sehr engen Grenzen, eine Auswertung davon wird in diesem Rahmen also nicht erfolgen.

  1. Man vermeidet es immerhin recht elegant, dass sich der 6. und der 9. Doctor einen Eisberg teilen müssen. Zur Erklärung: Vom 9. Doctor ist ein Bild aus Southampton vor Abfahrt der Titanic bekannt (gezeigt in Rose). Später sagte der Doctor, er hätte sich nach dem Untergang der Titanic an einem Eisberg festgekrallt; allerdings ist im Gegensatz zum Bild bei dieser Aussage nicht 100%ig klar, ob er dieses Ereignis in seiner 9. oder einer früheren Inkarnation erlebt hat. []
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