Classic Who – Siebte Staffel

Der 3. Doctor bringt die ersten Staffeln seines Daseins im Exil auf der Erde zu, wohin er von den Time Lords in The War Games verbannt wurde – in universe wurde das mit seiner ständigen Einmischerei in die Belange diverser Völker und Planeten begründet, im realen Leben waren Budgetgründe ausschlaggebend.1 Getreu dem Grundsatz "wenn der Doctor nicht zu den Invasionen kommt, kommen die Invasionen eben zum Doctor" ist die Erde nun Schauplatz von allerelei Invasionen und Invasiönchen. Dem Doctor stehen dabei nicht nur seine Companions zu Seite, sondern auch UNIT, eine Organisation der UN, die in The Invasion mit dem 2. Doctor eingeführt wurde und bis in die neue Serie hinein immer wieder auftreten sollte.

Der 3. Doctor agiert deutlich aktiver als die vorherigen beiden Doctoren, wenn nötig beteiligt er sich auch mal an einem Säbelduell oder setzt seine Angreifer mit venusian aikido außer Gefecht. Er steht während seines Exils mehr oder weniger bei UNIT als wissenschaftlicher Berater in Lohn und Brot, was aber nicht immer ganz reibungslos verläuft. Sein Vorgesetzter ist Brigadier Alistair Gordon Lethbridge-Stewart, oder kurz der Brig(adier), dem man in wenigen Worten einfach nicht gerecht werden kann. Er ist vermutlich die einzige Figur des ganzen Whoniversums, auf die sich alle Fans einigen können. Sergeant Benton ist ein weiterer mit UNIT assoziierter Charakter und er ist so unglaublich liebenswert. Companion des Doctors in dieser Staffel ist Liz Shaw, ihres Zeichens herausragende Naturwissenschaftlerin aus Cambridge, die von UNIT als wissenschaftliche Beraterin rekrutiert wurde. Leider wurde sie vom Produktionsteam als zu überqualifiziert empfunden, weshalb sie nach dieser Staffel wieder nach Cambridge geschickt wurde. Aus heutiger Sicht ist sie aber gerade deshalb ein besonders toller Companion, weil sie den Doctor nicht ständig um Erklärungen bitten muss. Außerdem ist sie eine ganz und gar nicht klischeehaft dargestellte Wissenschaftlerin, was immer noch zu selten vorkommt.

Die Ära des 3. Doctors ist wegen der Fixierung auf die Erde von der UNIT-Familie geprägt2. Dementsprechend haben die frühen Folgen des 3. Doctors eine ganz eigene, durchaus ernstere, Atmosphäre, die in dieser Form später nicht mehr vorhanden ist. Ein großer Nachteil der siebten Staffel ist zwar, dass aus Budgetgründen überwiegend sehr lange Folgen produziert wurden, aber dennoch enthält diese Staffel mit Spearhead from Space und Inferno zwei herausragende Folgen.

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Spearhead from Space (4 Teile; Drehbuch: Robert Holmes; Regie: Derek Martinus)

Der frisch exilierte Doctor bruchlandet auf der Erde, praktisch zeitgleich mit dem Autons. Nachdem er Brigadier Lethbridge-Stewart überzeugen kann, dass er tatsächlich derselbe Doctor ist, der Lethbridge-Stewart schon früher bei der Abwehr von Invasionen geholfen hat, kann die Bedrohung abgewendet werden.

Der dritte Doctor unter der Dusche.
Der Doctor unter der Dusche. Singend.

Spearhead from Space ist und bleibt der beste Staffel-Opener des gesamten Whoniversums. Das Serial macht einfach alles richtig: Ernsthaft gruselige Autons, schrullige Nebencharaktere, UNIT (wie immer über jeden Zweifel erhaben), ein schön bösartiger Handlanger der Auton…. Wenn man so will, ist dies der erste Relaunch von Doctor Who und es wundert einen nicht, dass die erste Folge der neuen Serie so viele Anleihen bei diesem Serial nimmt. Kurzum: Spearhead from Space ist ein Klassiker mit großem Einfluss auf alles was danach kam. Man muss diese Folge einfach gesehen haben.

Der Dreh von Spearhead from Space war von einem Streik bei der BBC betroffen, weshalb dieses Serial komplett auf Film und fast ausschließlich on location gedreht werden musste. Das erweist sich aus heutiger Sicht als Segen, denn deshalb sieht Spearhead from Space einfach fantastisch aus. Zwar ist dieses Serial als Special Edition erschienen, aber die Zahl der Extras hält sich in Grenzen. Dafür sind die Extras sehr gut: Neben einem Making-Of gibt es eine 20-minütige Doku über den Wechsel von schwarz-weiß zu Farbfernsehen. Unter anderem wird darin erklärt, wie das neue Intro hergestellt wurde und wie damals mit der blue-screen-Technik experimentiert wurde.

Doctor Who and the Silurians (7 Teile; Drehbuch: Malcolm Hulke; Regie: Timothy Combe)

Der Brigadier schickt den Doctor und Liz in ein unterirdisches Kernforschungszentrum, das daran forscht, Kernenergie simpler und sicherer zu nutzen3. Allerdings gibt es dort unerklärliche Energieverluste und das Personal zeigt häufige Schwächeanfälle. Wie sich bald rausstellt, haben die Silurians, die durch die Forschungstätigkeit erwacht sind, damit etwas zu tun.

Ach, wenn das doch bloß kein Siebenteiler wäre. Die Schauspieler sind toll, der Konflikt zwischen Menschen und Silurians, wem denn nun die Erde gehört, ist extrem gut ausgearbeitet, die Szenen, wie sich das Virus der Silurians in London ausbreitet, jagen einem einen Schauer über den Rücken, und abgesehen von den wackeligen Siluriansköpfen hauen die production values hin… Es ist nur zu lang. Der Ton dieses Serials ist deutlich grimmiger als in den vorherigen Folgen – der Doctor wird mitten in die menschliche Realität hineingeworfen, in der Bürokratie, Sturheit und Eitelkeiten gute Entscheidungen unmöglich machen, weshalb auch keiner der Charaktere (abgesehen von dem Doctor und Liz) hier gut wegkommt. Daher ist dieses Serial zwar anfangs sehr spannend, aber in der zweiten Hälfte lässt der Spannungsbogen einfach deshalb nach, weil da immer Szenen eingefügt oder in die Länge gezogen werden müssen, um die Zeit für die sieben Teile vollzukriegen. Deshalb ist Doctor Who and the Silurians kein schlechtes Serial – im Gegenteil, es ist ein Klassiker –, es ist nur eben schade, dass es durch die damaligen Bedingungen nicht sein volles Potential entfalten konnte.

Die DVD des Serials ist ausgestattet mit reichlich Extras, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, wie das damalige gesellschaftliche Klima Doctor Who beeinflusst hat. Eine kurze Doku erklärt außerdem, wie die Farbfassung dieses Serials rekonstruiert wurde.

The Ambassadors of Death (7 Teile; Drehbuch: David Whitaker, Trevor Ray, Terrance Dicks, Malcolm Hulke; Regie: Michael Ferguson)

Die Astronauten einer Marsmission sind nicht zur Erde zurückgekehrt, ihr Raumschiff aber schon. UNIT und der Doctor werden gerufen, um bei den Ermittlungen zu helfen. Es stellt sich heraus, dass statt der Astronauten drei Aliens auf die Erde gekommen sind, die von irdischen Gegenspielern von UNIT für ihre Zwecke genutzt werden.

Das Skript dieser Folge war ursprünglich für den 2. Doctor und seine Companions gedacht, das nach dem Wechsel von Doctor und Produktionsteam hastig umgeschrieben werden musste. Das merkt man leider. Wenn The Ambassadors of Death bloß vier Folgen lang geworden wäre, hätte man wahrscheinlich noch was draus machen können. Durch die Länge von sieben Folgen wird aber viel zu offensichtlich, wie dünn das Skript ist (das obendrein mehr als nur Anleihen am ersten Quatermass-Serial nimmt). Nun ist The Ambassadors of Death keine Folge, die man nur unter Schmerzen ansehen könnte, ein schwaches Serial ist es trotzdem.

Die erste Teilfolge von The Ambassadors of Death ist die erste Folge von Doctor Who, die auf dem originalen Videoband erhalten ist, was sich ganz deutlich in der herausragenden Bildqualität niederschlägt. Die restlichen Episoden sind jedoch lediglich rekonstruierte Farbfassungen. Die Ausstattung mit Extras ist vergleichsweise spärlich. Ich bin der Meinung, dass neben dem halbstündigen Making-Of, Tomorrow's Times und dem üblichen Kleinkram noch mehr Platz gewesen wäre. Andererseits ist The Ambassadors of Death keine so herausragende Folge, dass man eine ganze Schubkarrenladung an Extras erwarten kann.

Inferno (7 Teile; Drehbuch: Don Houghton; Regie: Douglas Camfield, Barry Letts)

Mitten im englischen Nirgendwo entsteht unter Leitung des cholerischen Prof. Stahlman gerade das tiefste Bohrloch, dass die Menschheit je in die Erde getrieben hat. Der Doctor ist einer der Experten, die hinzugerufen werden, um sicherzustellen, dass Stahlmans Bohrlochprojekt ordentlich abläuft. Der Doctor nutzt die Gelegenheit, um mal wieder zu versuchen, die TARDIS-Konsole wieder arbeitsfähig zu machen. Dabei gelangt er in eine Parallelwelt, in der Großbritannien eine faschistische "Republik" ist. Ob Republik oder Königreich: Aus dem Bohrloch tritt giftiger Schleim aus, der alle, die damit in Berührung kommen, zu degenerierten Primords macht. Doch auch die Bohrung an sich stellt sich als viel gefährlicher als gedacht heraus.

Inferno ist zwar lang, aber auch gut. Hauptsächlich liegt das an der Parallelwelt – zum einen kann dadurch die Handlung (und das Budget) gestreckt werden, ohne dass es langweilig würde und zum anderen sieht man einfach, wieviel Spaß alle Beteiligten daran hatten, ihre Paralleluniversumscharaktere zu spielen. Dieses Serial ist ganz klar das Highlight einer Staffel, die ohnehin schon zu drei Vierteln aus Klassikern besteht.

Dem Ruf der Folge angemessen bietet die Special Edition eine Vielzahl an Extras, die vor allem die UNIT-Ära (darunter ein Teil der "UNIT Family"-Reihe) näher beleuchten. Außerdem zeigt Teil vier von Doctor Forever! wie Doctor Who zwischen 1989 und 2005 am Leben gehalten wurde.

  1. Eine sehr interessante alternative Version der Verbannung des Doctors auf die Erde stellt Sympathy for the Devil dar, worin der Doctor erst 1997 auf der Erde landet. []
  2. Es macht aber auch zu viel Spaß, wenn UNIT Aliens zusammenballert. []
  3. Der wissenschaftliche Hintergrund wird, um es mal nett zu formulieren, etwas schwammig dargestellt. Im Serial wird erklärt, dass mithilfe des Zyklotrons (das nebenbei im realen Leben deutlich unspektakulärer aussehen würde) Atome bombardiert werden, um letztenendes Kernenergie direkt in elektrische Energie überführen zu können. Der erste Teil haut noch einigermaßen hin, wobei der Beschuss von Atomen mit Zyklotronstrahlung real nicht direkt im Zyklotron stattfindet, sondern der Strahl wird aus dem Zyklotron nach außen geführt, wo sich das Ziel des Beschusses befindet (baulich kann das aber gut und gerne in ein und derselben Einheit geschehen, nur eben außerhalb des Teils, den man Zyklotron nennt). Der Zyklotron-Strahl kann z.B. genutzt werden, um damit nuklearphysikalische Analysen durchzuführen (dabei zieht man Rückschlüsse aus den Veränderungen des Zyklotronstrahls, die durch die Wechselwirkung mit dem bestrahlten Ziel hervorgerufen wurden), zur Strahlentherapie oder zur Herstellung meist kurzlebiger Radionuklide (also das, wovon die Alchemisten immer geträumt haben), die ihrerseits wieder in der Medizin (zum Beispiel für die Positronen-Emissions-Therapie, kurz PET) oder der Forschung genutzt werden. Im Serial wird allerdings impliziert, dass das Zylkotron selber Energie produziert (also gewissermaßen ein Kernreaktor mit anderen Mitteln ist), wo ich langsam aussteige. Zwar kann man mit dem Zyklotron einige superschwere Elemente herstellen, für die Herstellung von Kernenergie ist das aber zu mühselig. Was aber so oder so nicht passiert ist, dass diese Elemente einfach so zu elektrischer Energie werden, und schon gar nicht innerhalb des Zyklotrons. Dafür wird irgendeine Art von Kernreaktor gebraucht, der die bei der Kernreaktion entstehende Hitze zum Antrieb einer Turbine nutzt. Üblicherweise geschieht das durch einen oder mehrere Wasserkreisläufe, also prinzipiell nicht anders als z.B. in einem Kohlekraftwerk. Mit anderen Worten, so wie das Forschungszentrum in The Silurians dargestellt ist, wird dort überhaupt kein Strom produziert. []
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